Vorwort
Es war meine Absicht, die Geschichte des Ortsvereins des DRK in Büchen und seiner Bereitschaften festzuhalten, die bisher vielseitiger an Aufgaben und Ereignissen war, als die der Ortsverein im Allgemeinen.
Unterlagen für die Zeit von 1932 bis 1947 lagen nicht vor.
Nur die mündlichen Berichte des verstorbenen Kameraden Etzen und Weitere Aussagen für diese Zeit von der Kameradin Haman waren zu erhalten.
So manches Wissenswerte wird verloren gegangen sein.
Für die spätere Zeit lagen Aufzeichnungen in Protokollen, Notizen und in der Auswertung des Gedächtnisses vor.
Kamerad Tam habe ich zu danken für die in 3 Mappen chronologisch gesammelten Zeitungsausschnitte für die Zeit der Aussiedlerzüge.
Ich hoffe, dass die Aufzeichnungen fortgeführt werden mögen, um späterer Zeiten wissen zu lassen, wie es einst gewesen war.
Verfasst von Dr. phil. Kurt Reuter
Büchen, im November 1972
Gründung einer DRK Kolonne 1932
Es war in Fitzen, als aus einer Unterhaltung heraus Herr Brüggemann zu seinem Gesprächspartner Herrn Etzen aus Büchen, die Meinung äußerte, es wäre an der Zeit, in Büchen eine Kolonne des DRK zu gründen und aufzustellen.
Diese Anregung fiel auf fruchtbaren Boden, und im gleichen Jahre, am 29. September 1932, wurde die Sanitätskolonne des DRK Büchen gegründet. Die Kolonne gehörte zuerst der Ortsgruppe Schwarzenbek an, wurde aber bald selbstständig.
Die ersten Führer der Sanitätskolonne war Kamerad Etzen. Der erste DRK-Arzt Herr Breitländer. Für die Ausbildung stellte der Gastwirt, Herr Ohlrogge einen Raum zur Verfügung. Die praktische Ausbildung konnte in der Turnhalle auf dem Hofe der Gaststätte durchgeführt werden.
Es kam der Sanitätskolonne zugute, dass sie in Herrn Ohlrogge einen Interessierten Förderer ihrer Arbeit hatten.
Für die Aufbewahrung der Geräte, die durch freiwillige Spenden nach und nach angeschafft werden konnten, waren keine Räume vorhanden. Mit der Zeit machte sich dieser Mangel immer stärker bemerkbar.
Die Verhandlugen mit der Bahn und nach überwindung einiger Schwierigkeiten bekam die Kolonne das Gelände unmittelbar hinter dem Lübecker Tunnel zugewiesen. (die heutige Aral- Tankstelle)?
Dieser Platzt war eine Müllkuhle. Zur Planierung fuhr die Bahn 24 Wagen Erde an. Die Entladung und die Ausfüllung der Kuhle wurde in Gemeinschaftsarbeit durchgeführt. Durch weitere Verhandlungen mit der Bahn konnte ein ausgedienter Wagen von seinem Standort an seinen neuen Platz durch eigene Arbeit gebracht werden.
Diese stelle blieb dem DRK bis zum Jahre 1940 erhalten. Aus Gründen, die nicht mehr festzustellen sind, musste der Platz geräumt werden. Der Wagen wurde gegenüber der Bäckerei Lopau neu afgestellt.
Bis zum Jahre 1935 bestand die Kolonne nur aus der männlichen Bereitschaft. In diesem Jahr konnte mit der stattlichen Zahl von 15 Helferinnen aus Büchen, Fitzen und Witzeeze die weibliche Bereitschaft gegründet werden, deren 1. Bereitschaftsführerin Frau Vogt wurde.
Beginn der Ausbildung
Es begann nun die Ausbildung in einem größeren Rahmen. Leider sind auch für diese zeit keine Unterlagen vorhanden. In Erinnerung ist, dass die Ausbildung in den unteren Räumen des Stellwerkes west auf dem Bahngelände stattfand.
Nach Ausbruch des Krieges 1939 begann die Arbeit auf dem Bahnhof. Da der Aufentahlt der Militärzüge nur kurz war, wurde die Bereitschaft nicht sehr beansprucht. Es änderte sich, als mit dem Russenfeldzugder Verkehr zwischen Ost und West lebhaft wurde. Um den Truppen, die auf ihren Anschlusszug warten mussten, eine Unterkunft zu geben, wurde auf Staatskosten eine Baracke aufgestellt. Sie stand in der jetzigen Zollstraße auf dem heutigen Gelände von Eich.???
Die Betreuung dieser Unterkunft und die Verpflegung der Soldaten übernahmen im Tag- und Nachdienst die Helferinnen des DRK. Durch Spenden aus der ländlichen Bevölkerung soll das Essen weit über dem dieser zeit Üblichen gewesen sein, Im August 1945 brannte die Baracke aus. Sie war zu diesem zeitpunkt nicht mehr vom DRK belegt.
Die Bewährungsprobe für die weiblichen und männlichen Bereitschaften begann in der Nacht vom 23 zum 24 Juli 1943 von Sonnenabend zum Sonntag.
Hamburg sank in Schutt und Asche
Der nach Büchen gelenkte Strom der Ausgebombten erreichte Sonntagmorgen unseren Ort. Einsatzbefehl und Anordnungen von dem Kreisverband waren nicht zu erhalten. So gab Bürgermeister Arnold dem DRK Anweisung zum Einsatz. Da Räume für die Vepflegung so vieler Menschen nicht vorhanden waren, fand die Betreuung auf dem alten Sportplatz statt. Bei glücklicherweise gutem Wetter wurde 4 Tage lang den ganzen Tag über gekocht. Nach Schilderungen der Leiterin des Einsatzes, Kameradin Frau Haman, wurden täglich bis zu 18.000 Portionen ausgegeben. DIe Verpflegung bestand in der Hauptsache aus Brot und Kartoffeln, doch auch Gemüse, Milch und Fleisch konnten herangeschafft werden. Diese Lebensmittel lieferten die umliegenden Ortschaften. Die zahlreichen Verletzten in der Hauptsache Brandwunden, wurden von dem Vertreter Dr. Breitländers, Hernn Nuss und Kamerad Evers, versorgt.
Zur Unterstützung des DRK wurde der weibliche Arbeitsdienst herangezogen.
Der Dienst auf dem Bahnhof aber lief weiter. Es kommen die letzten Tage des Krieges, für Büchen die schrecklichsten Stunden. Am 26. April 1945 setzte ein starker Beschuss durch englische Artillerie ein.
150 Einwohner verloren ihr Leben und viele Verletzte mussten versorgt werden. Frau Haman mit ihren Helferinnen leisteten die Erste Hilfe. Die männliche Bereitschaft sorgte für den Transport in die Schule, in das Reservelazarett. Überraschend wurden zu einem Hebammenkurs einberufen die DRK-Helferinnen Frau Schumacher, Frau Lisa Jansen, Frau Martha Rühsen und Frau Elisabeth Müller, die jedoch nie zu einem "Einsatz" kamen.
Erst im Jahre 1948 finden sich nun die ersten Unterlagen. Im Mai 1948 fand im Deutschen Haus die Gründung des Ortsvereins des DRK statt.
Der Name "Sanitätskolonne" des DRK wurde nicht mehr geführt.
Dadurch, dass Schleswig-Holstein zur englischen Zone gehörte, war die Zusammenarbeit mit der Vertretung des englischen RK eine Notwendigkeit. Für den Kreis Herzogtum Lauenburg arbeitete Miss Ponsorky, die einen guten und engen Kontakt zum Kreisverband wie zu den einzelnen Ortsvereinen unterhielt. Durch ihre vermittlung konnte der Ortsverein aus englischen und schwedischen Spenden Lebensmittel und Bekleidung zugewiesen erhalten, die so dringend für die Flüchtlinge wie für die Ausgebombten gebraucht wurden. So tat sich für die weibliche Bereitschaft ein großes Arbeitsgebiet in der Wohlfahrtspflege auf.
Es ergab sich weitere Arbeiten im Büchener Krankenhaus (entstanden aus dem Reservelazarett) bei der Kinderbespeißung, bei der Betreuung der Heimkehrer und der Grenzgänger. Dank einer Spende aus der Schweiz erhielt das DRK eine Nähmaschine. Nun konnte eine Nähstube eingerichtet werden, die dringend notwendig und unentbehrlich wurde.
Die ersten "Erste Hilfe" Lehrgänge begannen
Es begannen die Lehrgänge der "Ersten Hilfe" und die Auswahl der Kinder, die erholungsbedürftigt in das Zeltlager Mustin geschickt wurden.
Bezeichnend für die Zeit war, dass Zeitungen gesammelten wurden, die durch Miss Ponsorky den Krankenhäusern gegeben wurden. Es soll nicht vergessen werden, auf die bereits stattfindenden geldlichen Sammlungen hinzuweisen, die im Juni 1948, kurz vor der Währungsreform, durchgeführt wurden und einen Betrag von 233,-- RM einbrachten.
Im oktober 1948 waren es dann 605, 80 DM. Ein stattlicher Betrag, wenn man bedenkt, wie jede neue Mark gebraucht wurde, um das Notwendige anzuschaffen.
Bereits im Jahr 1949 wurde eine 2. Vorstandswahl notwendig, da Herr Ohlrogge aus Gründen, die wohl in der Zusammenarbeit zu suchen waren, sein Amt niederlegte. So muss es nicht sein, so könnte es gewesen sein.
Jetzt wählten die beiden Bereitschaften einen gemeinsamen Arzt- Dr. Breitländer-. An dieser Versammlung nahm auch der Kreisgeschäftsführer des DRK, Herr Oberst a.D. Löhr, teil, der anschließend über die Aufgaben des Kreisverbandes sprach.
Wir werden Herrn Löhr in späteren Jahren noch sehr oft in Büchen sehen.
Der Ortsverein zählte jetzt 15 (m) und 25 (w) Mitglieder.
Die Währungsreform begann sich bemerkbar zu machen. Es folgten eine Reihe von Austritten der passiven Mitglieder. Die Ortsvereine Witzeeze und Siebeneichen lösten sich auf. Nach wie vor stand die Aktion "Miss Ponsorky" an 1. Stelle. Der Ortsverein übernahm die Verteilung von Kleidungsstücken nach Langenlehsten, Siebeneichen und Bartelsdorf. Hinzu kam die Austeilung der Care-pakete. Einsätze in der Kinderbespeißung, auf dem Sportplatz, im Kino ( in Pötrau zuerst und dann in Büchen) bezeichneten den Dienst. Es war nun soweit, dass der Dienst in Uniform getan werden konnte und die erste größere Übung im Verband in Ratzeburg durchgeführt wurde.
Der Bestand von 21 (m) und 21 (w) akriven und 29 passiven Mitgliedern war erfreulich.
Der Ortsverein unterhielt 3 Unfallhilfestellen
Der Ortsverein unterhielt 3 Unfallhilfestellen, die Wie folgt verteilt waren:
In Büchen im Haus von Herrn Etzen und Herrn Bachmann, in Pötrau bei Herrn Schumacher, in Büchen-Dorf bei Herrn Wittbrock, im Flüchtlingsheim bei Frau Gutzmer. Eine Unfallmeldestelle wurde bei Herrn Eduard Räth eingerichtet.
Zum ersten Male, konnte der Ortsverein der Hilfsgemeinschaft des Kreises Herzogtum Lauenburg bei, was bald große Auswirkug zeigen sollte. Auch dieses sei erwähnt, dass der Ortsverein durch Nichtabführung von Mitgliederbeiträgen nicht unerhebliche schulden beim Kreisverband hatte, die nach und nach getilgt werden mussten.
Im Herbst 1951 trat Kamerad Etzen als 1. Vorsitzender zurück, um sich allein der Bereitschaft zu widmen. Die Vorstandswahl ergab folgenede Besetzung:
1. Vorsitzender Herr Dr. Reuter
2. Vorsitzender Herr Dr. Assmann
Bereitschaft (m) Kamerad Etzen
Bereitschaft (w) Kameradin Haman
Bereitschaftsarzt Herr Dr. Breitländer
Schriftführer Frau Schumacher
Kasierer Herr Linke
Materialverwalter Herr Wittroock.
Der Dienst der Bereitschaft
Der Dienst der Bereitschaft war ausgerichtet auf die Übungsabende, die in einem Klassenzimmer der Schule stattfanden, wie es noch lange Jahre in diesen Räumen bleiben sollte. "Erste Hilfe"-Kurse fanden ebenfalls hier statt, deren Teilnemer zwischen 10 und 20 betrugen. Der Verkauf von Losen der Volkserholungslotterie, 2 Haussammlungen, Verteilung von Textilien und Babyausstattung rundeten den Dienst ab.
Die erste Gründung vom Jugendrotkreuz
Im Jahre 1952 wurde zum ersten Mal das Jugendrotkreuz gegründet. 70 Jungen und Mädchen hatten sich bereit erklärt mitzuarbeiten. Die Leitung übernahm ein Herr Bartel, der sich nach kurzer Zeit in die Ostzone absetzte. Leider zeigte das Bestehen des Jugendrotkreuzes über die Jahre hinweg ein Auf und Ab.
Durch die Bildung des Bundespräsidiums in Bonn erhielten die Ortsvereine neuen Auftrieb. Eingeführt wurden Monatsberichte an den Kreisverband auf vorgedruckten Formularen. Die Gemeindevertretung gab zum ersten Male- und so sollte es auch für die Zukunft bleiben- eine jährliche Beihilfe von 200,--DM. Nach der Einweihung des Jugendheimes in der Parkstraße stand dem DRK in diesem Hause ein Raum zur Verfügung. Das Heim lag aber an der Peripherie des Ortes und so wurde der Raum im Laufe der Zeit unpraktisch und wurde aufgegeben.
Das Jugendrotkreuz - wieder neu erstanden- hatte aber seine Bleibe und tagte alle 14 Tage mit 20 Teilnehmern unter Leitung des Herrn Gurgel. Nach seinem Tode im Jahre 1954 fiel das Jugendrotkreuz wieder auseinander. Leiter für die Organisation zu bekommen, stieß ständig auf große schwierigkeiten. So waren wir froh, als im Jahre 1957 Kamerad Fielhauer Junior erneut die Gruppe mit 23 Mitgliedern gründete. Durch seinen Einsatz und mit großem Geschick zeitigte seine Arbeit einen guten Erfolg. Als Kamerad Fielhauer wegen weiterer Aufgaben die Leitung aufgab, übernahm Kamerad Hans-Joachim Meyer die Gruppe, die unter seiner Führung mit Ernst und Freude bei der Sache war.
Alle Belänge des Ortsvereins wurden in Vorstandssitzungen beraten, die alle 6-8 Wochen stattfinden und zuerst bei Herrn Feldkeller in der Lauenburger Straße, später in einem Raum der Bahnhofsgaststätte stattfanden.
Auftrag für das DRK durch die Hilfsgemeinschaft
Im Jahre 1953 erhielt das DRK durch die Hilfsgemeinschaft des Kreises den Auftrag, eine Betreuungsstelle auf dem Bahnhof für Reisende aus der Ostzone einzurichten. Durch diese Arbeit wurde das DRK Büchen herausgehoben aus der allgemeinen Tätigkeit eines Ortsvereins. Eine sehr wichtige Arbeit, die sich bis zum JAhre 1958 erstrecken sollte, war die Bearbeitung der Suchlosten, die das Schicksal der Zivilvermissten klären sollte und z.a. die Bearbeitung aller Unterlagen für die Bildsuchlisten der vermissten Wehrmachtsangehörigen. Die Befragung der bereits heimgekehrten Kameraden schloss sich obiger Arbeit an.
Weiter ausgefüllt war die Arbeit mit der Verteilung von Bekleidungsstücken aller Art, gestiftet von dem Fridrichsruher Flüchtlingshilfswerk der Fürstin Bismarck. Diese Spende erstreckte sich bis zum Jahre 1962. In dieser Zeit fällt auch eine laufende Lebensmittelverteilung AFSC. Eine große Zahl von Familien konnten bedacht werden.
In den Unterricht "Erste Hilfe" wurde die 9. Klasse der Volksschule einbezogen.
In den Weihnachtsvortagen wurden ab 1956 an die Reisenden aus der Ostzone ca. 4.000 Päckchen in den Zügen verteilt. In den folgenden Jahren bus 1963 blieb die Zahl von 1.000 Päckchen konstant. Zur Verteilung wurden Schüler der Volksschule herangezogen. Nach dem das Thema schon längere Zeit im Gespräch war, nahm von nun an der Vertreter von Langenlehsten an unserer Hauptversammlung teil. Allein dabei blieb es nicht.
Beide Ortsvereine bildeten im Einsatz eine Bereitschaft. Diese Abmachung hat sich bis zum heutigen Tage bewährt. Im Jahre 1957 tauchte zum ersten Male der Name "Familienzusammenführung" auf, d.h. Einreisen der Deutschen aus den polnisch verwalteten Gebieten jenseits der Oder-Neiße. Der Kreisverband teilte uns mit, dass das DRK Büchen den Auftrag erhalten wird, diese Transporte zu empfangen und zu verpflegen. Wir ahnten nicht, was auf uns zukommen sollte. Über diese Aktion die sich von 1956-1959 erstreckte, wird ein besonderer Bericht gegeben.
Da der Betreuungsraum auf dem Bahnhof in keiner Weise mehr den Anforderungen entsprach, konnte nach Anträgen und Besichtigungen von Ausschüssen des Landtages und weiterer prominenter Persönlichkeiten im Juni 1957 der Erweiterungsbau auf ca. 85 qm in einem größeren Rahmen eingeweiht werden.
Im Juni des Jahres waren es 25 Jahre her, dass Kamerad Etzen die Sanitätskolonne gründete. Aus diesem Anlaß erhielt er in einer Feierstunde das Ehrenzeichen des DRK.
DIe Korrespondenz wurde immer größer. So betrug z.B. im Jahre 1957 die Zahl der Eingänge 806 und die Ausgänge 378 schreiben. Der Einsatz der Bereitschaft erweiterte sich auf die Impftage, auf die Röntgenreiheruntersuchung und auf das Packen von Weihnachts- und Osterpäckchen.
In Anerkennung für die bisher geleistete Arbeit (Betreuungsstelle Bahnhof und Aussiedlerzüge) gab der Lauenburgische Kreistag den beteiligten Bereitschaften im Deutschen Haus ein Essen. Es sprachen Kreispräsident Drevs, Dr. Roloff und General a.d. Bründel.
DIe Vorbereitungen für die Hauptversammlung des Kreisverbandes im Jahre 1957, die in Büchen in der Waldhalle stattfinden sollte, hatte der Ortsverein übernommen. Der Büchener Gesangsverein unter dem Kirchenmusikdirektor Köhnenkamp leitete die Arbeit ein. Über 200 Delegierte nahmen teil. Das Referat hielt der Vorsitzenede des Ortsverein über die Betreuung der Aussiedlerzüge.
Im Jahre 1960 wurde der Antrag angenommen, den Gesamtvorstand von nun an auf 2 Jahre zu wählen.
Bei der Neuwahl des Vorstandes in diesem Jahre schlug die Bereitschaft (m) als Vorsitzeneden Herrn Otto Evers vor. Nach einer längeren Diskussion, an der auch der Kreisgeschäftsführer Herr Löhr, und die Bereitschaftsführer (m und w) Herr und Frau Wiegmann teilnahmen, wurde Dr. Reuter wiedergewählt. Sein Stellvertreter wurde Herr Evers.
19 internationale Studenten und Oberschüler aus England, Frankreich, Italien, Amerika und Holland lud der Vorsitzende zum Empfang des 380. Aussiedlerzuges und anschließend zu einer Plauderstunde ein. Gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsfest 1963 traf überraschend eine 5-köpfige Familie aus Jugoslawien ein. In zusammenarbeit mit dem Amtsvorsteher Herrn Carstens, erhielt die Familie erste Betreuung und weitere Hilfe.
Die Vorstandwahl 1967 ergab folgende Besetzung:
- 1. Vorsitzender Dr. reuter
- 2. Vorsitzender Kurt Fielhauer
- Bereitschaftsführer (m) Otto Evers
- Bereitschaftsführerin (w) Frau von Wachholtz
- Kassenführer Herr Valett
- Katastrophenleiter Albert Schre
Die Wahl des Jugendleiters wurde zurückgestellt. Ein Jahr später wurde zum Bereitschaftsführer (m) Kamerad Tam gewählt, als sein Stellvertreter Kamerad Otto Evers Junior.
Abgesehen von dem laufendem Dienst in der Betreuungshalle und in den Zügen sind in erster Linie zu nennen die Übungsabende, die Grundausbildung in der Ersten Hilfe und die Sanitätskurse.
Die Sanitätsausrüstung wurde erheblich vergrößert; so wurde ein Phantom- und ein Beatmungsgerät angeschafft. Notwendig, wenn auch nicht immer beliebt, waren die Samlmungen für das DRK selbst, für das Muttergenesungswerk und die Tbc-Sammlung. Nach wie vor war das DRK vertreten bei der Schulimpfung, bei der Mütterberatung und nicht zuletzt bei den in Abständen stattfindenden Blutspendeaktionen.
Pakete für die Ostzone
Das Packen von Paketen für die Ostzone war eine Arbeit in der Adventszeit. Neu hinzu kam der Straßenrettungsdienst an den Tagen Sonnabend und Sonntag. Besonderer Wert wurde auf die praktische Ausbildung gelegt. Übungen in der näheren Umgebung und Einsätze in Katastrophenfällen im Rahmen des Kreisverbandes wechselten sich ab. Bei der großen Alarmübung in Hollenbek, die unerwartet kam, war die Bereitschaft Büchen die ersten am Einsatzort. Nachzutragen sei, dass im Jahre 1965 aus Altersgründen ausschieden:
- Herr Dr. Breitländer und Herr Emil Etzen
Im Jahre 1968 und im Jahre 1971 verlor der Ortsverein die Kameraden Otto Evers sen. und Emil Etzen, zwei Männer, die auf das Engste mit dem DRK verbunden waren und deren Arbeit die Entwicklung des Ortsvereins mitbestimmten.
Am 2. April 1968 gab der Verfasser sein Amt ab. Den Vorsitz übernahm Herr Werner Kröplin.
Ehrenzeichen
- 1956 Frau Anna Haman, Herr Dr. Reuter
- 1959 Frau Belusa, Frau Jeck, Frau Schumacher und Frau Siemers
- 1960 Herr Dr. Breitländer, Herr Etzen
- 1961 Herr Dr. Reuter- Bundesverdienstkreuz 1. Klasse
Unsere Toten im Krieg 1939-1945
- Kamrad Maak
- Kamerad Zöger
- Kamerad Oden
- Herr Belusa
- Frank Wolfgang Görke
- Otto Evers
- Emil Etzen
Betreuungsstelle Bahnhof Büchen
Im Jahre 1953 fand der 1. evangelische Kirchentag nach dem Krieg in Hamburg statt. Zu dieser Zusammekunft kamen aus der Ostzone 6 Züge mit je 1.000 Teilnehmern, die fast alle zum ersten Male nach Westdeutschland kamen. Der Empfang und die verpflegung während des Aufenthaltes der Züge lag in den Händen der evangelischen Bahnhofsmission. Der Ortsverein des DRK wurde gebeten, falls erforderlich, die Damen der Mission zu unterstützen.
Er tat es.
Dieses Erlebnis, zu dem auch die Spitze des Kreises erschienen waren, bewirkte, dass der Vorstand der Hilfsgemeinschaft des Kreises beschloss, das DRK Büchen mit der Einrichtung einer ständigen Betreuungsstelle und deren Wartung zu beauftragen. In einer Besprechung mit dem Vorsitzenden der Hilfsgemeinschaft Herrn General a.D. Bründel, dem Kreispräsidenten a.D. Gräning, dem Kreisabgeordneten Herrn Dietz, Büchen und Herrn Meyer, Büchen, wurden die Richtlinien der DRK-Arbeit festgelegt. Im Oktober 1953 übernahm der Ortverein in der von der Hilfsgemeinschaft gemieteten sogenannten "Postbaracke" auf dem Bahnhofsgelände seine Arbeit mit 2. Hauptamtlichen DRK-Kräften.
Die Solide gebaute Baracke, die eine Größe von ca.40 qm hatte, wurde mit dem Inventar des seinerzeit aufgelösten Kinderheimes schlecht und recht eingerichtet. Es konnten nicht mehr zur Verfügung gestellt werden wie 5 Tische, 12 Schemel, 3 Stühle, 6 einfache Betten mit Decken und einzelnes Essgeschirr. Die Hilfgemeinschaft beschaffte Geld und Lebensmittel. Es sollte sehr schnell erkannt werden, wie notwendig diese Einrichtung war. In den ersten Jahren liefen täglich 6 Interzonenzüge ein. Hunderte von Landsleuten der Ostzone stiegen Tag für Tag hier um. Für die meisten Reisenden war Büchen erster Berührungspunkt mit Westdeutschland. Die Anschlüsse zu den Zügen, die sie zu ihren Angehörigen bringen sollten, lagen oft weit auseinander. Die zu Betreuenden erhielten eine warme Mahlzeit, die abwechselnd aus Erbsen- oder Linsensuppe, aus einer Nudelsuppe mit Fleisch oder einer Reissuppe mit Zucker und Zimt bestand. Alle Gerichte, die in der ostzone noch zu Seltenheiten gehörten. Dazu wurden bestrichene Brötchen mit Wurst und Käse gereicht. Auf wunsch stand Kaffee, Tee oder Kakao zur Verfügung. Beim Verlassen des Raumes erhielten die Erwachsenen entweder eine Dose mit Fisch oder ein großes Stück Speck oder Käse oder ein anderes Lebensmittel, das gerade reichlich vorhanden war. Die Kinder konnten eine Tafel Schokolade mitnehmen. So wurden täglich 40-50 Portionen ausgegeben. Es wurden aber auch monatelang täglich bis zu 200 Reisende verpflegt.
Wer seinen Anschlusszug nicht mehr erreichte, hatte die Möglichkeit der übernachtung. Fast nächtlich alle Betten belegt. In einem weiteren Raum wurde eine Erste-Hilfe-Stelle eingerichtet. Es war selbstverständlich, dass die Betreuung der Reisenden schon auf dem Bahnsteig begann. Eine kurze Zwischenbilanz zeigt folgende Zahlen:
Seit September 1953 bis zum Ende des Jahres 1956 wurden 60.000 Personen verpflegt bzw. betreut. Erste Hilfe erhielten 9.000 Personen und 3.000 Reisende übernachteten. Fast ständig wurden weitere Mitglieder des örtlichen DRK zur Hilfeleistung herangezogen. Ja sogar Schülerinnen der höheren Klasse stellte Herr Rektor Reher in den Hauptvekehrszeiten zur Verfügung. In der "Ostzone" war man schon längst auf Büchen aufmerksam geworden. So wurde in Schwanheide eine ähnliche Einrichtung eröffnet, die eigens zu diesem Zwecke gebaut wurde und erheblich besser war als unsere bescheidene Baracke. Sie entsprach jetzt in keiner Wiese mehr den Anforderung. Anträge auf Erweiterung der Halle gingen von der Hilfsgemeinschaft und dem Kreisverband des DRK an den Landtag. Viele Kommissionen und hochgestellte Einzelpersonen überzeugten soch von der dringenden Notwendigkeit, diese verhältnisse zu verändern. Nun konnte im Juni 1957 die auf 90 qm erweiterte Halle eingeweiht werden. Neu hinzu kam eine Küche und ein Raum fpr die evangelische Bahnhofsmission und die Caritas, die Von nun an gleichfalls ihren Dienst taten.
Es war eine Fehlplanung, 3 verschiedene Organisationen auf dem Bahnhof Büchen arbieten zu lassen, dazu noch unter einem Dach. Es wurde ein "Drei-Männer-Gemium" gebildet, dem angehörten:
- Herr Pastor Harten (Bahnhofsmission)
- Herr Pfarrer Motzig ( Caritas)
- und der Vorsitzende des Ortsvereins des DRK, der federführend wurde. Über diesem Gremium stand die Landesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtsverbände in Kiel, und so verlagerte sich für das DRK der dienstliche Schwerpunkt von Ratzeburg nach Kiel.
Unsere Tätigkeit auf dem Bahnhof hatte sich im Volksmund der Ostzone derart herumgesprochen, dass sie auch als treuhänderische Vermittlungsstelle benutzt wurde, indem zum Beispiel Geldbeträge geschickt wurden mit der Bitte, sie an Ankommende aus der Ostzone auszuliefern. Im Jahre 1963 trat eine Kriese ein. Zum ersten, weil durch den Bau der Mauer in Berlin der Reisevekehr aus der Ostzone fast vollständig zum Erliegen kam, zum anderen gingen die seinerzeit zugesagten Landesmittel allmählich ihrem Ende entgegen. Nach Rücksprache mit dem KReispräsidenten und dem Landrat über die dringende Notwendigkeit, die Betreuungstelle zu erhalten, nicht zuletzt auch aus politischen Gründen, wandte sich der "Dreierausschuss" in einem ausführlichen Schreiben an das zuständige Ministerium in Kiel. Um es kurz zu sagen: Die Arbeit konnte fortgesetzt werden.
Wie einsichtig diese Entscheidung der Frau Ministerin und wie Notwendig sie war, sollte sich bald erweisen. Seit November 1964 begannen die sogenannten Rentnerzüge aus der Zone einzutreffen. Eine neue Aufgabe kam auf uns zu. Die Auftsellung der Zahlen im Anhang zeigen die erhebliche Betreuungsarbeit für alle Rentner, die auf ihre Anschlusszüge warteten. Da der Aufenthalt der Züge nur kurz war und eine Betreuung vom Bahnsteig aus nicht ausreichte, erheilt das DRK vom Präsidium den weiteren Auftrag, die Züge bis Hamburg zu begleiten. Daraufhin konnten die Rentner in Ruhe mit Kafffee, Obst und Schokolade versorgt werden.
An dieser Aufgabe beteiligten sich außer Büchen die Ortsvereine Langenlehsten, Ratzeburg, Mölln, Schwarzenbek und Aumühle. Nach drei Jahren schied Mölln aus. Je nach Besetzung der Züge fahren 1 bis 2 bis 3 Helferinnen täglich bis Hamburg mit. Die Begleitung des Zuges erstreckte sich nur auf den Zug aus Dresden. Die zwei Züge aus Ostberlin werden nicht besetzt. Dieser Bericht schließt im Jahre 1972. Aber immernoch steht diese Aufgabe im Vordergrund des Einsatzes auf dem Bahnhof.
Die Aussiedlerzüge 1954-1959
Ende des Jahres 1954 erschien zum ersten Male in den Schriftsätzen des Kreisverbandes an das DRK Büchen der Name "Familienzusammenführung". Sehr bald kam die Meldung, dass in einem Zuge sich 25 bis 30 Personen befanden, die schon unter diesem Namen einreisten, es war im Dezember 1954.
Die erste Betreuung setze ein.
Die Zeitabschnitte aber, in denen weitere Transporte eintrafen, waren lang und unregelmäßig und immer nur 50 bis 100 Aussiedler besetzt. Im Dezember 1955 führte der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Dr. Weitz mit dem Polnischen Roten Kreuz Besprechungen unter dem obenangeführten Wort "Familienzusammeführung".
Wie kam es zu diesem Gespräch?
Hundertausende waren nach Kriegsende jenseits der Oder-Neiße-Linie zurückgeblieben. Teile aber ihrer Familie waren im Westen. Der Wunsch wurde immer dringender, mit ihren Angehörigen vereint zu werden. Alle Anstrengungen, Kinder ihre Väter, Frauen ihre Männer zurückzugeben, blieben ohne Erfolg. Auf dipolomatischem Wege war nichts zu erreichen, da Beziehungen zwischen Bndesrepublik und Polen nicht bestanden. Da schaltete sich das Internationale Rote Kreuz ein, und so konnte Dr. Weitz mit Warschau Verbindung aufnehmen. Der Erfolg der Besprechung war der Beschluss, mit der Familienzusammenführung sofort zu beginnen. Die Transportzüge sollten über Büchen nach dem Heimkehrlager Friedland geleitet werden. Der Ortsverein des DRK erhielt den Auftrag, den Empfang und die Betreuung der Aussiedler durchzuführen. So rollte bereits Ende Dezember der erste Zug mit unseren Landsleuten aus Ostpreußen, Westpreußen, Danzig, Pommern und Ober und Niederschlesien in Büchen ein.
50.000 sollten insgesamt kommen, über 200.000 stellten bereits Anträge auf Ausreise.
Wie ging die Auswanderung vor sich?
Nachdem sie ihr Haus bzw. ihr Land dem Nachbarn geschenkt oder dem Staat zur Verfügung gestellt hatten und ihr ganzes Geld den Behörden für die notwendigen Papiere gegeben hatten, führen sie von ihrem Wohnsitz aus mit ihrem Gepäck nach Stettin. Hier wurde der Transportzug zusammengestellt, der aus polnischen D-zugwagen I, Klasse bzw. Liegewagen bestand. Es waren stets gute, moderne Wagen. Die Wartezeit betrug oft bis zu 2 Stunden, was im Winter sehr unangenehm war, da alle verfügbaren Quatiere überbelegt waren. Was sie an beweglichen Besitz mitnehmen wollten, wurde in Güterwagen verladen, als da waren: Möbel, Betten, die geernteten Feldfrüchte in der Hauptsache Kartoffeln, Kohl und Kohlen. Es war ihnen gesagt worden, sie müssten in Westdeutschland hungern und frieren. Doch auch Schweine und Federvieh machten die Reise mit. In den ersten Jahren bis zu 26 Güterwagen. Später liefern diese Wagen direkt nach Friedland. Zu dem Handgepäck der Aussiedler gehörten auch Hunde, Katzen und Kanarienvögel. Die ganze Reise betrug 5-6 Tage. Von Stettin ging es früh am Morgen ab. Zur Mittagszeit wurde in Neubrandenburg durch das ostzonale Rote Kreuz eine warme Mahlzeit gereicht. An der Zonengrenze in Schwanheide sollte der Zug gegen 22:00 Uhr eintreffen. Diese Zeiten wurden im ersten Jahre niemals eingehalten. Die Verspätungen erstreckten sich auf 4 bis 5 Stunden. Da man in Schwanheide wusste, dass der Bahnsteig in Büchen voller Menschen stand, die zur Begrüßung auch von außerhalb gekommen waren, wurde uns nie die richtige Ankunftszeit gegeben. Das bedeutete, dass unsere aktiven Helfer und Helferinnen unter dem Bereitschaftsführer Kamerad Etzen und Kameradin Haman bis tief in die Nacht auf dem Bahnhof bleiben mussten.
Nach einem Jahr änderte sich dies. Die Züge kamen fast pünktlich und nun auch am Tage und erst im letzten Jahre wieder in der Nacht. In Schwanheide wurde der Zug an das Deutsche Rote Kreuz übergeben. Der Kreisgeschäftsführer, Hrr Löhr, und sein Begleiter übernahmen den Transport. Diese Übernahme fand nur im ersten Jahre statt. Dann kam durch den Lautsprecher die Ansage: "Der Sonderzug Stettin-Friedeland hat Einfahrt auf Gleis 1".
Diese Ansage haben wir 513 mal gehört. Als dann der Zug einlief waren alle Fenster geöffnet, Rufe und Tücherwinken, freudige und ergriffene Gesichter in den Fenstern. Der Posaunenchor der evangelischen Kirche setzte ein mit dem Chroal " Nun danket alle Gott". Geistliche- und Volkslieder wurden bis zum Abgang des Zuges gespielt. Dieser Gruß der Kirche blieb bis zum letzten Aussiedlerzug. Chöre aus Orten bis nach Kiel und Lübeck wechselten sich ab. Der Zug wurde durch den Vorsitzenden des DRK begrüßt, es schlossen sich die Geistlichen beider Konfessionen an. In der Betreuungshalle war in den Stunden vorher alles zur sofortigen Verpflegung vorbereitet. Die Türen des Zuges öffneten sich und ein Fragen und ein Antworten begann. Mancher konnte schon hier seine Angehörigen in die Arme schlißen. Die Helferinnen und Helfer kamen mit Kübeln und Körben in den Zug, und von Abteil zu Abteil begannen die Verpflegungen. Jeder erhielt ein bis zwei große, warme Würstchen mit Weißbrot, Obst nach Jahreszeit in jeder Menge, Zigarren und Zigaretten wurden verteilt und die Kinder bekamen die erste Schokolade in ihrem Leben. Heißer schwarzer Tee wurde durch die Gänge getragen und Milch für die Kinder. Belegte Brote für die Weiterreisenden wurde ausgegeben. Man darf nicht. vergessen, dass das was hier gegeben wurde, unsere Landsleute 10 Jahre lang nicht gesehen und noch weniger gegessen hatten. So nahmen die Kinder z.B. die Banane nicht an "schmecken wie rohe Kartoffeln ". Sie hatten ja die Schale nicht abgezogen. Die eingerichteten Waschräume in der Betreuungshalle wurden sehr stark benutzt. Aufschlussreich wurde das Gespräch mit den Aussiedlern in persönlichem Kontakt.
Die Kinder sprachen nur polnisch. Nach der Verpflegung durch das DRK brachten die Damen der evangelischen Bahnhofsmission und der Caritas gleichfalls Obst und Süßigkeiten durch die Wagen. Die Zeit zur Abfahrt des Zuges ist gekommen. Behälter mit heißem Tee und Milch werden in den Zug getragen. Ein Arzt und 2 Helferinnen werden in den Zug betreuen. Unter den Klängen des Posaunenchores, unter Tücherwinken und Zurufen setzt sich der Zug in Bewegung zur Endstation der langen Reise-nach Friedland. In den Fenstern stehen wieder Menschen freudig und ernst und oft mit Tränen in den Augen. Elf schwere Jahre liegen hinter ihnen. So wie dieser Empfang und diese Betreuung wird es mit jedem der 513 Züge sein, und es wird sich niemals daran ändern. Nur der Bahnsteig wird nicht mehr so gedrängt voller Menschen sein, er wied aber nie leer sein.
Formelle Angelegenheiten wurden in Büchen nicht erledigt. In Friedland erhielten die Menschen ihre Papiere, das erste Geld von 100,-- DM und die Fahrkarte zu ihren Angehörigen. Die BEsetzung der Züge lag zwischen 250 und 500 Personen. Die Zahl steigerte sich, je länger die Aussiedlung dauerte.
Wie sah nun der Personenkreis aus?
Im ersten Jahr kamen nur alte, z.T. gebrechliche Frauen und Männer, dann Frauen und Kinder mittleren Alters und in der Auslaufenden Zeit sehr viele Jugendliche, sogar junge Männer im Wehrpflichtigem Alter. Der älteste Aussiedler war 98 Jahre, der jüngste 6 Wochen. Für die Verpflegung erhielten wir eine Pauschale von 2,50 DM pro Person. Für die ganze ZEit wurde mit dem Betrag ausgekommen, obgleich mehr für die Betreuung getan wurde, als zuerst vorgesehen war. So erhielten die Geburtstagskinder-aus den Listen wurde es ersehen- Geschenke. Die geldliche Abwicklung lag in den Händen von Herrn Lehrer a.D. Belusa. Der Ortsverein war sehr glücklich. in ihm einen Mann gefunden zu haben, der diese Arbeit vorbildlich erledigte. Da die Verpfegung in 1 1/2 Stunden durchgeführt werden musste, konnte die Aktivien ohne zusätzliche Hilfe die Arbeit nicht mehr bewältigen. Die Zahl der Hefer und Helferinnen des örtlichen DRK betrug im Durchschnitt je Transport 15 Aktive. und immer waren es die gleichen Mitglieder.
Die Dauer des Einsatzes je Transport betrug im Durchschnitt 3 1/2 Stunden. Hitze und strömender Regen, Schneesturm und starke Kälte, nichts konnte die Betreuung stören. Jeder Zug hatte seine eigene Einheit, so waren Transporte still und zurückhaltend, andere sehr aufgeschlossen und lebendig. In einem Zug befanden sich 206 ehemalige Kriegsgefangene, die aufgrund einer Amnestie entlassen waren. Ineinem der letzten Züge waren alleine 108 Jungen und Mädchen im Alter bis zu 18 Jahren. Zu einer späten Abendstunde erhielt das DRK die Meldung, dass ein Transport mit 500 Schwerkranken schträfe. Mit Hilfe des Kreisverbandes konnte unter Schwierigkeiten ärztliche Versorgung, Krankenwagen und Hilfspersonal bereitsgestellt werden; diese Nachricht war eine Falschmeldung. Durch die immer größer werdende Zahl der Heimkehrer wurde es notwendig, außer den beiden Helferinnen einen besonderen Transportbegleiter einzusetzen. Der Landesverband des DRK hatte eine "Transportvorschritfft" ausgearbeitet, die die Aufgaben des Begleiters fetlegte.
Ab Februar 1958 liefen die Züge fast jede Nacht ein. DIe Belegung steigerte sich bis zu 500 Personen. Die Abfertigung der Transporte konnte alleine von der Bereitschaft Büchen und den bisher zugezogenen Helferinnen nicht mehr erfolgen, da die EInsatzkräfte bereits überfordert waren.
Wenn auch Büchen den Vorrang hatte, mussten doch die Pflichten und Rechte gleichmäßig verteilt werden. Es wurden jetzt fast sämtliche aktiven Bereitschaften des Kreisverbandes eingesetzt.
Es waren. voll im Einsatz:
- Langenlehsten
- Schwarzenbek
- Lauenburg
- Geesthacht
- Mölln
- Ratzeburg
- Büchen
So blieb es bis zum letzten Transport am 19. Februar 1959.
Nie wurde es eine Routinearbeit. Jeder neue EInsatz wurde ein großes Erlebnis.
Von Dezember 1955 bis Februar 1959 liefen in Büchen 513 Transport mit 247.000 Aussiedlern ein.
An Verpflegung wurde ausgegeben:
- 8.752 Kg Brot
- 22.877 Kg Würstchen
- 495.000 Stück Apfelsinen
- 495.000 Stück Banane
- 44.176 Beutel Bonbons zu 100 g
- 129.151 Tafeln Schokolade
- 253.997 Stück Zigaretten
- 39.347 Stück Zigarren
- 7.890 Liter Milch
- 49.890 Liter Tee bzw. Kakao
- 3.237 Kg Zucker
Einsatzstunden der Helferinnen und Helfer: 37.000 Stunden
mit der Begleitung nach Friedland: 44.700 Stunden
Im Jahre 1966 wurde auf dem Bahngelände ein Mahnmal errichtet, das den Namen "Tor der Hoffnung" erhielt der Aussiedler-Name für Büchen
Kein Heim fürs DRK 1969
1969 besitz der DRK Ortsverein Büchen noch immer kein eigenes DRK-Heim. Zu dieser Zeit musste er nach wie vor mit einer Baracke auf dem Gelände der Firma Damschke vorlieb nehmen. Diese musste jedoch geräumt werden, sobald das Grundstück von der Druckerei selbst benötigt wird. Da die Freiwillige Feuerwehr Büchen ähnlichen Platzproblemen gegenüberstand, stimmte die Gemeinde einen Antrag auf die Beugenehmigung für ein Mehrzweckgebäude noch im gleichen Jahr zu. So entstand unter der Leitung des Architekten Ostrowski der Neubau in der Möllner Straße. Zu dem Gebäudeteil, das vom DRK genutzt wird, gehören ein Schulungsraum für bis zu 50 Personen, ein kleines Büro, eine zweckmäßige Küche sowie ein Lager und einen kleinen Gruppenraum, der ursprünglich für die Garage des Krankenwagen diente.
Am 15.09.1970 wurde das Mehrzweckgebäude für die Feuerwehr und das DRK in der Möllner Straße eingeweiht. Für das einzige Fahrzeug, welches der Ortsverein 1970 besaß, war eine an das Heim angrenzende Garage vorgesehen. Als es dann endlich so weit war, dass der Krankentransportwagen seinen Platz einnehmen konnte, stieß das Rundumlicht beim zurücksetzen an die Decke und brach ab- die Garage war zu niedrig. So erhielt der Fußboden nachträglich eine Vertiefung.
Rettungsdienst 1970
Im Jahr 1970 fordert der Kreisverband des DRK Ortsverein Büchen auf, am Rettungsdienst teilzunehmen, wodurch dieser den ersten Krankenwagen, einen VW-Bus erhält; das Fahrzeug muss allerdings bereits wenig später durch einen Krankentransportwagen der Marke "Ford" ersetzt werden. Das Fahrzeug soll bis Dezember 1979 von der Bereitschaft des Ortsvereins genutzt werden. Am 22.01.1980 wird ein neuer Krankentransportwagen der Firma Mercedes-Benz beschafft mit einem Ausbau der Firma Bonna-Miesen. Die für die Neuanschaffung erforderlichen Mittel in höhe von 30.000 Euro stammen zu etwa gleichen Teilen aus dem vermögen des Ortsvereins sowie der Gemeinde Büchen und Büchener Firmen. Die Wahrnehmung des Rettungsdienstes erfolgt bereits in dieser Zeit ausschließflich durch ehrenamtliche Sanitäter und Rettungssanitäter.
Wasserwacht 1971
1971 erwirbt Klaus Jacobsen den Lehrschein für Anfänger- und Rettungsschwimmen. so beginnt er, eine gut funktionierende Wasserwachtgruppe aufzubauen. Jacobsen bildet innerhalb des Ortsvereins zahlreiche Rettungsschwimmer aus, die die Möllner Wasserwacht am Kiessee in Güster beim Wasserrettungsdienst unterstützten.
1973 übergibt Klaus Jacobsen die Wasserwacht an Werner Stenschke, der im selben Jahr gemeinsam mit Horst Alster den Lehrschein absolvierte. Eine große Wende bringt das Jahr 1976. Die Ortsgruppe, die bislang die Schwimmmeister im Waldschwimmbad Büchen sowie die Möllner Wasserwacht unterstützte, konnte nun auch die Wasserrettungsstation am Lüttauer See von der Möllner Wasserwacht übernehmen. Die Wachgänger bildeten in ihrem ersten Jahr bereits 146 Schwimmer aus und leisteten 1.022 Wachstunden. 1977 Übernimmt Gehard Staeck die Leitung der Wasserwacht und Klaus Jacobsen wird Ausbilder für den Lehrscheinbewerber im Anfänger-und Rettungsschwimmen. Somit konnte auch im Kreis Herzogtum Lauenburg Lehrscheine vergeben werden.
neue Aufgabe- der Katastrophenschutz ca. 1980
Mit der Übernahme neuer Aufgaben des Katastrophenschutzes erhielt der Ortsverein weitere Fahrzeuge , die notdürftig in Büchen untergestellt werden mussten. Um die Fahrzeuge künftig zentral unterstellen zu können, wird 1980 der Bauantrag zur Errichtung einer Fahrzeughalle gestellt. Die Kosten für den Neubau mit einer Grundfläche von 170m² betrag 156.409 DM. Aufgrund der Tatsache, dass das Grundstück selbst im Gemeindeeigentum steht, ging auch die Fahrzeughalle in das Eigentum der Gemeinde über; der DRK Ortsverein hat aber bis heute das Nutzungsrecht. Desweiteren war nun zum ersten Mal der Ortsverein in der Lage, jedem Helfer einen eigenen Spind zur Unterbringung seiner Einsatzbekleidung zur verfügung zu stellen. Die ehemalige Krankenwagengarage wurde von den Mitgliedern zu einem gemütlichen Gruppenraum umgestaltes; dieser wird hauptsächlich durch das Jugendrotkkreuz genutzt.
Elbehochwasser 2002
Im August 2002 wurde weite Teile Deutschlands von einer der schwersten Naturkatastrophen der jüngeren Geschichte getroffen. Nach anhaltenden Starkregenfällen in Mitteleuropa traten zahlreiche Flüsse über die Ufer, besonders stark betroffen war die Elbe. Die Ereignisse gingen später als „Jahrhunderthochwasser“ in die Geschichte ein. Während zunächst Regionen in Sachsen und Sachsen-Anhalt schwer getroffen wurden, bewegte sich die Flutwelle im Verlauf der folgenden Tage elbabwärts in Richtung Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Auch der Kreis Herzogtum Lauenburg musste sich auf steigende Pegelstände und mögliche Deichbrüche vorbereiten.
Als die Lage Mitte August 2002 immer kritischer wurde, riefen die zuständigen Behörden im Landkreis Katastrophenalarm aus. Zahlreiche Organisationen des Katastrophenschutzes wurden alarmiert, darunter auch das Deutsche Rote Kreuz. Für den DRK-Ortsverein Büchen bedeutete dies den Beginn eines der größten Einsätze seiner Geschichte.
Bereits kurz nach der Alarmierung wurden die Helferinnen und Helfer des Ortsvereins zusammengezogen, um Personal und Material einsatzbereit zu machen. In enger Abstimmung mit dem DRK-Kreisverband und der Einsatzleitung wurden verschiedene Aufgabenbereiche festgelegt. Die Mitglieder aus Büchen unterstützten insbesondere in der Betreuung von Einsatzkräften und betroffenen Bürgerinnen und Bürgern sowie bei logistischen Aufgaben.
Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit war die Versorgung der Einsatzkräfte. An den Deichen entlang der Elbe arbeiteten über Tage hinweg hunderte Helfer von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Bundeswehr und freiwilligen Helfern aus der Bevölkerung. Diese mussten rund um die Uhr mit warmen Mahlzeiten und Getränken versorgt werden. Das DRK Büchen unterstützte hierbei die Verpflegungseinheiten des Roten Kreuzes, bereitete Mahlzeiten zu und verteilte diese an die Einsatzstellen. Gerade bei langen Schichten unter schwierigen Wetterbedingungen war eine verlässliche Versorgung von großer Bedeutung für die Moral und Leistungsfähigkeit der Einsatzkräfte.
Neben der Verpflegung spielte auch die Betreuung von betroffenen Menschen eine wichtige Rolle. Für den Fall, dass Deiche nicht gehalten werden konnten, wurden Notunterkünfte vorbereitet. In Zusammenarbeit mit anderen DRK-Einheiten halfen Helfer aus Büchen beim Aufbau und Betrieb solcher Unterkünfte. Hier wurden evakuierte Bewohner aufgenommen, registriert und mit dem Nötigsten versorgt. Neben Schlafplätzen und Verpflegung gehörte auch die menschliche Zuwendung zu den Aufgaben der Helferinnen und Helfer. Viele Betroffene standen unter großer emotionaler Belastung, da sie nicht wussten, ob ihre Häuser und ihr Besitz die Flut überstehen würden.
Auch sanitätsdienstliche Aufgaben gehörten zum Einsatzspektrum. An den Deichen arbeiteten viele Menschen unter körperlich anstrengenden Bedingungen. Erschöpfung, kleinere Verletzungen oder Kreislaufprobleme waren keine Seltenheit. Die Einsatzkräfte des DRK stellten sicher, dass bei medizinischen Problemen schnell geholfen werden konnte und Betroffene bei Bedarf weiter versorgt wurden.
Darüber hinaus unterstützten die Helfer aus Büchen bei logistischen Aufgaben, etwa beim Transport von Material oder bei der Organisation der Abläufe in den Betreuungsstellen. Gerade bei einer Lage dieser Größenordnung war eine funktionierende Organisation entscheidend. Sandsäcke mussten transportiert, Einsatzkräfte koordiniert und Material verteilt werden. Auch wenn das DRK dabei nicht im Mittelpunkt der Deichverteidigung stand, leisteten die unterstützenden Aufgaben einen wichtigen Beitrag zum Gesamteinsatz.
Der Einsatz während der Flutkatastrophe dauerte über mehrere Tage und stellte für alle Beteiligten eine große Belastung dar. Viele Helferinnen und Helfer waren über lange Zeiträume im Einsatz und mussten ihre Tätigkeit mit Beruf und Familie vereinbaren. Dennoch zeigte sich in dieser Zeit eine große Einsatzbereitschaft innerhalb des Ortsvereins. Wie in vielen anderen Orten Deutschlands arbeiteten auch in Büchen haupt- und ehrenamtliche Kräfte eng zusammen, um die Auswirkungen der Katastrophe zu bewältigen.
Rückblickend bleibt die Flutkatastrophe von 2002 für das DRK Büchen ein prägendes Ereignis in der Vereinsgeschichte. Sie zeigte eindrucksvoll, wie wichtig eine funktionierende ehrenamtliche Struktur im Katastrophenschutz ist. Die Erfahrungen aus diesem Einsatz trugen dazu bei, Abläufe zu verbessern und die Ausbildung der Helfer weiter zu stärken. Gleichzeitig blieb vielen Beteiligten vor allem die große Solidarität in Erinnerung – sowohl unter den Einsatzkräften als auch in der Bevölkerung.
Der Einsatz während der Elbeflut 2002 machte deutlich, dass das Deutsche Rote Kreuz Büchen auch in außergewöhnlichen Situationen bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und Hilfe zu leisten. Damit wurde ein wichtiges Kapitel in der Geschichte des Ortsvereins geschrieben.
Elbehochwasser 2013
Elf Jahre später wurde die Region erneut von einer außergewöhnlichen Hochwasserlage betroffen. Nach intensiven Niederschlägen in weiten Teilen Mitteleuropas stiegen die Pegelstände der Elbe erneut stark an. Dieses Ereignis ist als European floods 2013 bzw. Elbehochwasser 2013 bekannt.
Auch diesmal waren Orte entlang der Elbe, insbesondere Lauenburg/Elbe und die umliegenden Deichgebiete, stark gefährdet. Dank verbesserter Hochwasserschutzmaßnahmen und der Erfahrungen aus dem Jahr 2002 konnten jedoch frühzeitig umfangreiche Vorbereitungen getroffen werden.
Das DRK Büchen wurde erneut in die Katastrophenschutzmaßnahmen eingebunden.
Die Aufgaben ähnelten in vielen Bereichen denen aus dem Jahr 2002:
- Unterstützung bei der Versorgung der Einsatzkräfte
- Mitarbeit in Betreuungsstellen für mögliche Evakuierte
- sanitätsdienstliche Absicherung der Deichverteidiger
- logistische Unterstützung bei der Organisation der Einsatzkräfte
Viele Helferinnen und Helfer waren erneut über mehrere Tage im Einsatz. Die Erfahrungen aus dem Hochwasser von 2002 erwiesen sich dabei als wertvoll, da Abläufe inzwischen besser eingespielt und Strukturen im Katastrophenschutz weiterentwickelt worden waren.
Bedeutung für die Geschichte des DRK Büchen:
Die Hochwassereinsätze der Jahre 2002 und 2013 zählen zu den bedeutendsten Katastrophenschutzeinsätzen in der Geschichte des DRK Büchen. Beide Ereignisse verdeutlichten die wichtige Rolle ehrenamtlicher Helfer im Bevölkerungsschutz.
Für viele Mitglieder des Ortsvereins waren diese Einsätze prägende Erfahrungen. Sie zeigten, wie wichtig Ausbildung, Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und eine funktionierende Einsatzstruktur sind.
Gleichzeitig wurde in beiden Hochwasserlagen deutlich, wie groß die Solidarität innerhalb der Bevölkerung und unter den Einsatzkräften ist. Zahlreiche freiwillige Helfer unterstützten die Deichverteidigung und arbeiteten Hand in Hand mit den Organisationen des Katastrophenschutzes.
Die Einsätze während der Hochwasser an der Elbe bleiben damit ein wichtiger Bestandteil der Vereinsgeschichte des DRK Büchen und stehen beispielhaft für das Engagement seiner Helferinnen und Helfer im Dienst der Gemeinschaft.
Projekt VW Amarok 2018
Mit dem Beginn des neuen Jahres schlug der Ortsverein ein weiteres Kapitel seiner technischen Weiterentwicklung auf. Ein neues Fahrzeug, ein VW Amarok, traf in Büchen ein und markierte damit den Start eines bedeutenden Projekts im Fuhrpark des Vereins. Noch völlig unberührt, ohne Beklebung oder Ausstattung, stand er zunächst als leere Grundlage bereit – ein Fahrzeug, das schon bald zu einem modernen Kommandowagen heranwachsen sollte.
In den darauffolgenden Wochen begann die intensive Ausbauphase, die von großem Engagement und viel Eigenleistung geprägt war. Schritt für Schritt nahm der Amarok Form an und wandelte sich vom Serienfahrzeug zu einem vielseitigen Einsatzmittel. Einer der ersten wichtigen Meilensteine war der Einbau einer leistungsstarken Seilwinde. Diese ermöglicht es dem Ortsverein nun, das eigene Fahrzeug oder andere Einsatzfahrzeuge zu befreien, wenn diese sich im Gelände festgefahren haben. Mit ihrer Zugkraft von 5,6 Tonnen und einer Seillänge von 30 Metern erweitert sie die taktischen Fähigkeiten des Fahrzeugs deutlich. Die fachliche Unterstützung der Firma Nordlicht‑Systeme spielte dabei eine zentrale Rolle und trug maßgeblich zum Erfolg dieses Arbeitsschrittes bei.
Kurz darauf folgte ein weiterer Ausbauabschnitt, der die Funktionalität des Fahrzeugs im Einsatz erheblich verbessern sollte. Um die Verlastung von Material – von Führungsmitteln über Werkzeug bis hin zu Sanitätsausrüstung – effizienter zu gestalten, entschied sich der Ortsverein für den Einbau eines Vollauszuges auf der Ladefläche. Mit einem einzigen Handgriff lässt sich die gesamte Einheit nun herausziehen, wodurch die Ausrüstung schnell erreichbar und übersichtlich angeordnet ist. Besonders in stressigen Einsatzsituationen stellt dieser Auszug einen deutlichen Vorteil dar.
Nachdem einige Wochen wenig Neues zu berichten war, erreichte das Projekt erneut einen besonderen Moment. Der Amarok wurde abgeholt und trat eine Reise an, die für den Ortsverein von großer Bedeutung war: den Weg nach Fulda zur Rettmobil, Europas größter Messe für Rettungswesen und Katastrophenschutz. Dass ein Fahrzeug des OV Büchen dort präsentiert wurde, galt als außergewöhnliche Anerkennung der geleisteten Arbeit. Dieser Abschnitt des Projekts wurde auch für die Mitglieder des Ortsvereins zu einem Gemeinschaftserlebnis – die Aufforderung, Fotos des Fahrzeugs zu machen und zu teilen, wenn man es auf seiner Reise sah, sorgte für viel Beteiligung und Begeisterung.
Mit dem Amarok gewann der Ortsverein nicht nur ein neues Einsatzfahrzeug, sondern setzte auch ein Zeichen für Fortschritt, Eigeninitiative und Zukunftsfähigkeit. Während ein älteres Fahrzeug den Fuhrpark verließ, entwickelte sich der Amarok nach und nach zu einem modernen Kommandowagen: mit neuer Beklebung, funktechnischer Ausstattung, Blaulicht und vielen weiteren Details, die in den kommenden Wochen folgen sollten.
Das Projekt Amarok wurde damit zu einem Beispiel dafür, wie technische Weiterentwicklung, Teamarbeit und Engagement Hand in Hand gehen – und wie der Ortsverein Büchen seine Einsatzbereitschaft und Leistungsfähigkeit kontinuierlich ausbaut, um für zukünftige Aufgaben bestens gerüstet zu sein.
Wiederaufbau des Jugendrotkreuzes 2019
Nach mehreren Jahren ohne eigene Jugendgruppen entschied sich der Ortsverein im Jahr 2019, das Jugendrotkreuz nach einer längeren Pause wieder neu zu beleben. Der Bedarf an qualifizierter Nachwuchsarbeit wurde immer deutlicher, und gleichzeitig wuchs das Interesse junger Menschen an sozialem Engagement und Erster Hilfe.
Ein engagiertes Team aus vier jungen Erwachsenen – Johannsen, Schröder, Adamzik und Schlatermund – nahm sich der Aufgabe an, das JRK vollständig von Grund auf neu aufzubauen. Trotz der besonderen Herausforderungen, die bereits kurz darauf durch die beginnende Corona-Pandemie entstanden, gelang es dem Team, eine stabile Struktur zu schaffen und erste Kinder- und Jugendgruppen aufzubauen.
Mit viel Kreativität, digitalem Engagement und einem starken Gemeinschaftsgeist wurden während der Pandemie neue Unterrichtskonzepte und Online-Angebote entwickelt. Dadurch konnte der Aufbau des JRK auch in dieser schwierigen Zeit erfolgreich fortgesetzt werden.
Der Wiederaufbau legte ab 2019 den Grundstein für die heute wieder lebendige und aktive JRK‑Arbeit im Ortsverein und stärkte gleichzeitig die Nachwuchsgewinnung für die Bereitschaft.
Corona-Pandemie 2020-2022
Die Jahre 2020 bis 2022 standen weltweit im Zeichen der COVID-19 Pandemie. Die Ausbreitung des Coronavirus führte auch in Deutschland zu erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Leben und stellte Behörden, medizinische Einrichtungen und Hilfsorganisationen vor große Herausforderungen.
Auch für den Ortsverein des Deutsches Rotes Kreuz in Büchen bedeutete diese Zeit eine außergewöhnliche Situation. Die Pandemie war keine kurzfristige Katastrophenlage wie ein Hochwasser oder ein Sturm, sondern eine langanhaltende Krise, die über Monate und Jahre hinweg das gesellschaftliche Leben beeinflusste.
Frühjahr 2020 – Beginn der Pandemie
Im März 2020 erreichte die Pandemie Deutschland. Bund und Länder beschlossen weitreichende Maßnahmen, darunter Kontaktbeschränkungen, Schulschließungen und Einschränkungen im öffentlichen Leben. Auch das Vereinsleben des DRK musste kurzfristig angepasst werden.
Dienstabende, Ausbildungen und größere Veranstaltungen konnten zunächst nur eingeschränkt stattfinden. Gleichzeitig blieb die Einsatzbereitschaft der Helferinnen und Helfer erhalten. Die Bereitschaft des Ortsvereins ist Teil des Katastrophenschutzes im Landkreis und steht grundsätzlich für medizinische Hilfe, Betreuung und Unterstützung der Bevölkerung bereit.
2020 – Unterstützung in der Pandemie
Während der ersten Monate der Pandemie lag der Schwerpunkt vieler DRK-Gliederungen auf organisatorischer Unterstützung. Ehrenamtliche Helfer engagierten sich unter anderem bei Hilfsangeboten für besonders gefährdete Menschen, beispielsweise ältere Personen oder Menschen in Quarantäne.
Typische Aufgaben bestanden darin:
- Organisation von Hilfsangeboten für gefährdete Bevölkerungsgruppen
- Unterstützung kommunaler Einrichtungen bei organisatorischen Aufgaben.
Gleichzeitig mussten auch bestehende Aufgaben des Ortsvereins – etwa Erste-Hilfe-Ausbildung, Sanitätsdienste oder Blutspendetermine – an neue Hygieneregeln angepasst werden.
2021 – Teststrategien und organisatorische Unterstützung
Mit zunehmender Dauer der Pandemie wurde die Teststrategie zu einem wichtigen Bestandteil der Infektionsbekämpfung. In vielen Regionen Deutschlands unterstützten DRK-Gliederungen bei der Organisation von Corona-Testangeboten oder stellten Personal für Teststellen bereit.
Im Kreis Herzogtum Lauenburg entstanden mehrere Testmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger, teilweise in Zusammenarbeit mit Kommunen, Apotheken und Hilfsorganisationen. Ziel war es, durch regelmäßige Schnelltests Infektionsketten frühzeitig zu erkennen und zu unterbrechen.
Auch ehrenamtliche Helfer aus Ortsvereinen des DRK unterstützten diese Maßnahmen organisatorisch oder personell.
Auswirkungen auf das Vereinsleben
Die Pandemie beeinflusste auch das interne Leben des Ortsvereins deutlich. Viele Veranstaltungen konnten zeitweise nicht stattfinden oder mussten verschoben werden. Ausbildungsabende wurden teilweise in kleineren Gruppen oder unter strengen Hygieneregeln durchgeführt.
Dennoch blieb der Zusammenhalt innerhalb der Bereitschaft erhalten. Die Mitglieder nutzten die Zeit auch für interne Ausbildung, Planung und Vorbereitung auf zukünftige Einsätze.
2022 – Allmähliche Rückkehr zur Normalität
Mit steigender Impfquote und sinkenden Infektionszahlen konnten viele Einschränkungen nach und nach aufgehoben werden. Schrittweise nahm auch das Vereinsleben wieder Fahrt auf.
Dienstabende, Ausbildungen und Veranstaltungen konnten wieder regelmäßiger stattfinden. Gleichzeitig blieben viele Erfahrungen aus der Pandemie für die zukünftige Arbeit des Ortsvereins wichtig, insbesondere im Bereich Organisation, Hygiene und Krisenmanagement.
Bedeutung der Pandemie für den Ortsverein
Die Corona-Pandemie stellte eine außergewöhnliche Herausforderung dar, da sie sich über einen langen Zeitraum erstreckte und sowohl das gesellschaftliche Leben als auch die Arbeit der Hilfsorganisationen nachhaltig beeinflusste.
Für das DRK Büchen war diese Zeit geprägt von Anpassung, Engagement und der Unterstützung der Bevölkerung. Wie bei früheren Einsätzen zeigte sich auch während dieser Krise die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für die Sicherheit und das soziale Leben in der Gemeinde.
Flutkatastrophe 2021
Hilfe in einer der schwersten Katastrophen Deutschlands
Im Juli 2021 wurde das Ahrtal von einer verheerenden Flutkatastrophe getroffen. Innerhalb weniger Stunden zerstörten Wassermassen Häuser, Straßen und ganze Ortskerne. Die Einsatzkräfte vor Ort standen vor einer Lage von historischem Ausmaß, und überörtliche Unterstützung wurde dringend benötigt.
Auch der DRK‑Ortsverein Büchen beteiligte sich an der groß angelegten Katastrophenhilfe und entsandte Personal sowie mehrere Fahrzeuge (Führungskraftwagen, Notfallkrankenwagen und Rettungswagen) in das Schadensgebiet, um die örtlichen Strukturen zu entlasten und die medizinische Versorgung sicherzustellen.
Durch die enormen Belastungen – körperlich wie psychisch – bestand ein ständiger Bedarf an medizinischer Absicherung der Helfer. Der RTW war somit nicht hauptsächlich für Patienten aus der Bevölkerung vorgesehen, sondern fungierte als Einsatzkräfte‑Rettungswagen (EK‑RTW) zur schnellen Versorgung der Helfer*innen im Katastrophengebiet.
Die Bedingungen vor Ort waren außergewöhnlich schwierig:
- zerstörte Infrastruktur und unpassierbare Wege
- kaum oder keine Kommunikationsmöglichkeiten
- instabile Lagebilder durch ständig wechselnde Bedingungen
- hohe psychische Belastung durch die Vielzahl an Betroffenen
Trotz dieser Herausforderungen arbeiteten die Helferinnen und Helfer des OV Büchen eng mit den anderen DRK‑Einheiten, Feuerwehren, dem THW und der Bundeswehr zusammen. Die Zusammenarbeit funktionierte trotz der schwierigen Gesamtumstände professionell und effizient.
Für den Ortsverein Büchen war dieser Katastropheneinsatz einer der bedeutsamsten der vergangenen Jahre. Die gesammelten Erfahrungen flossen nach der Rückkehr in Ausbildung, Strukturen und Einsatzkonzepte ein – und stärkten den Zusammenhalt der gesamten Bereitschaft.
Der OV Büchen blickt mit Respekt, Dankbarkeit und Stolz auf die geleistete Arbeit im Ahrtal zurück.
Aktionstage zur Woche der Reanimation 2025
Aktionstage zur Woche der Reanimation – DRK Ortsverein Büchen zeigt Lebensrettung zum Anfassen
An zwei Aktionstagen hat der DRK‑Ortsverein Büchen eindrucksvoll demonstriert, wie wichtig es ist, im Notfall schnell zu handeln und eine Reanimation zu beginnen. Ziel der Aktion war es, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger für die Anzeichen eines Herz‑Kreislauf‑Stillstandes zu sensibilisieren und Hemmschwellen bei der Wiederbelebung abzubauen.
Unter dem Motto „Prüfen. Rufen. Drücken.“ erklärten die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, worauf es wirklich ankommt, wenn jede Sekunde zählt – anschaulich, praxisnah und leicht verständlich.
Tag 1: Infostand bei Edeka Parau – kompakt, persönlich und mit leckerer Unterstützung
Der Auftakt fand am Freitag im kleineren Rahmen bei Edeka Parau statt. Dort konnten Besucher anhand von Übungspuppen und praktischen Vorführungen erleben, wie einfach und wirkungsvoll eine Herzdruckmassage sein kann.
Besonders gut angenommen wurde die Kombination aus Information und Genuss:
Dank der freundlichen Unterstützung von Opa Peters Eis gab es für kleine und große Gäste eine süße Belohnung – und gleichzeitig einen entspannten Einstieg ins Gespräch über ein ernsteres Thema.
Tag 2: Großes Programm bei Edeka Weber – mehr Platz, mehr Stationen, mehr Austausch
Am Samstag ging es mit einem deutlich erweiterten Angebot bei Edeka Weber weiter. Mehr Raum bedeutete:
- zusätzliche Stationen für Reanimationsübungen
- detaillierte Einblicke in die Arbeit des DRK Ortsvereins
- Präsentationen zu Bereitschaft, JRK und weiteren Bereichen
- viele Gelegenheiten für Fragen, Austausch und persönliche Gespräche
Der Aktionstag entwickelte sich zu einem lebendigen Treffpunkt, bei dem viele Besucher erstmals die Chance nutzten, Reanimation selbst auszuprobieren.
Große Resonanz und starke Unterstützung aus der Region
Der Ortsverein zeigte sich überwältigt vom großen Interesse der Bevölkerung. Viele Besucher nahmen sich Zeit für Gespräche, probierten die Reanimation praktisch aus und informierten sich über Engagementmöglichkeiten im DRK.
Ein besonderer Dank des OV Büchen gilt den zahlreichen Unterstützern, die diese Aktionstage ermöglicht haben:
Edeka Weber,
Edeka Parau,
Schoenberg360,
Budni,
Opa Peters Welt,
sowie allen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die mit großem Einsatz und Fachwissen dabei waren.
Zukunftsworkshop 2025
Am Wochenende vom 10.10-12.10.2025 ging es für unseren Ortsverein ins Jugendferienheim nach Süsel – ein Ort, der viel Raum für frische Gedanken, ehrliche Gespräche und gemeinsames Erleben bot. Schon bei der Ankunft war spürbar, dass dieses Wochenende etwas Besonderes werden würde: raus aus dem Alltag, rein in eine Umgebung, in der man durchatmen, zur Ruhe kommen und sich ganz aufeinander einlassen kann.
Gemeinsam tauchten wir ein in das Thema „Wie war es früher, wie ist es heute und wie soll unsere Zukunft aussehen?“. Dieser Leitgedanke begleitete uns durch verschiedene Arbeitsphasen, Gesprächsrunden und Teamübungen. Wir schauten zurück auf die Entwicklung unseres Ortsvereins, sprachen über prägende Momente, Herausforderungen und Erfolge. Gleichzeitig analysierten wir, wo wir heute stehen – als Team, als Organisation und als Teil der Gemeinde Büchen. Besonders wertvoll war der Austausch darüber, wie wir uns die Zukunft unseres Ortsvereins vorstellen: Welche Ziele möchten wir setzen? Welche Schwerpunkte wollen wir weiter stärken? Welche neuen Wege können wir gemeinsam gehen?
Zwischen den inhaltlichen Einheiten blieb immer wieder Raum, um auch als Menschen näher zusammenzurücken. Bei Teamaufgaben wurde schnell klar, wie sehr wir uns aufeinander verlassen können – und wie viel Stärke aus echter Zusammenarbeit entsteht. Die Abende boten Gelegenheit für gute Gespräche, gemeinsames Lachen und gemütliche Stunden am Lagerfeuer. Das Knistern der Flammen, die entspannte Atmosphäre und viele kleine Momente haben uns daran erinnert, wie wichtig Gemeinschaft für unseren Verein ist. Der Teamgeist war überall zu spüren und wurde mit jeder Aktivität noch ein Stück stärker.
Ein besonders großes Dankeschön geht an Lena und Christian, die das Wochenende mit viel Engagement, Struktur und Herzblut organisiert und begleitet haben. Durch ihre Vorbereitung hatten alle Teilnehmenden die Möglichkeit, sich voll und ganz auf die Inhalte und die gemeinsame Zeit einzulassen.
Ebenso bedanken wir uns herzlich bei engagement_und_ehrenamt. Durch das großzügige Sponsoring wurde dieses wertvolle Wochenende überhaupt erst möglich. Es hat uns nicht nur fachlich weitergebracht, sondern auch menschlich – und genau das macht einen starken Ortsverein aus.
Mit vielen neuen Ideen, einem gestärkten Wir‑Gefühl und der Gewissheit, gemeinsam viel erreichen zu können, gehen wir motiviert in die Zukunft.
